Glasarten im Interieur
3. Mai 2026 · Dekowohnzimmer.de
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Glas im Interieur tut mehr als nur Licht durchzulassen: Es bestimmt Atmosphäre, Privatsphäre und Sicherheit eines Raumes. Die Wahl der richtigen Glassorte ist konkreter als man denkt — jeder Typ hat spezifische Eigenschaften und Anwendungsgebiete.
Floatglas, Einscheibensicherheitsglas, Verbundglas, Rillenglas, Mattglas, Rauchglas — die Namensliste ist lang. Und in Einrichtungshäusern werden sie nicht immer korrekt beschriftet. Dieser Artikel erklärt die am häufigsten verwendeten Glassorten auf eine Weise, die direkt auf Ihre Einrichtung anwendbar ist.
Floatglas: das Basisprodukt
Die meisten Fenster, Glastische und einfachen Glasscheiben bestehen aus Floatglas: flüssiges Glas, das auf einem Bad aus flüssigem Zinn ausgehärtet ist. Das Ergebnis ist ein perfekt ebenes, klares Glas mit einem minimalen Grünstich (sichtbar an der Schnittkante). Floatglas ist günstig, bricht jedoch in lange, scharfe Splitter — nicht ideal für Innentüren oder Tische.
Im Interieur findet man Floatglas hauptsächlich in Fenstern (kombiniert mit Isolierverglasung), Bilderrahmen, Aquarien und günstigen Glasbeistelltischen. Für strukturelle oder sicherheitsrelevante Anwendungen ist es nicht geeignet.
Einscheibensicherheitsglas — der Standard für Innentüren und Tische
Einscheibensicherheitsglas (ESG) ist thermisch behandelt: Das Glas wird auf etwa 650 °C erhitzt und dann schnell abgekühlt. Das erzeugt Spannungen, die das Glas vier- bis fünfmal fester machen als Floatglas bei Biegung und Stoß. Bei Bruch zerfällt ESG in kleine, stumpfe Stücke ohne scharfe Splitter — es ist Sicherheitsglas im wörtlichen Sinne.
Einscheibensicherheitsglas ist Standard für:
ESG kann selten 'spontan' brechen aufgrund mikroskopischer Nickelsulfid-Einschlüsse, die die Fertigung hinterlässt. Hochwertiges ESG durchläuft einen Heat-Soak-Test, der dieses Risiko minimiert. Fragen Sie den Lieferanten nach dem Zertifikat — besonders bei großen Glasflächen im Wohnzimmer oder Badezimmer.
Verbundsicherheitsglas — wenn der Bruch zusammenhält
Verbundsicherheitsglas (VSG) besteht aus zwei oder mehr Glasschichten mit einer transparenten PVB-Folie dazwischen. Bei Bruch hält die Folie die Scherben an Ort und Stelle — das Glas fällt nicht aus dem Rahmen. Das macht es unverzichtbar für:
Verbundsicherheitsglas ist teurer als ESG, bietet aber eine zusätzliche Sicherheitsschicht. Bei manchen Anwendungen (Glasdach, Treppe) ist es vorgeschrieben; für eine Innentür ist ESG ausreichend.
Rillenglas — Licht mit Privatsphäre
Rillenglas, auch Linienglas oder Kanalenglas genannt, hat eine Oberfläche mit regelmäßigen vertikalen Rillen. Es lässt Licht durch, macht Figuren jedoch unscharf — die ideale Kombination für Badezimmer, Duschabtrennungen und Innentüren zu Schlafzimmern. In den 1970er-Jahren war es allgegenwärtig; derzeit ist es in feineren, strafferen Varianten wieder gefragt.
Rillenglas wird fast immer auch in gehärteter Ausführung geliefert. Achten Sie beim Kauf auf die Rillentiefe: feine Rillen (2–3 mm) ergeben weniger Verzerrung als tiefe Rillen (5–6 mm). Für eine moderne Küche oder ein Loft-Interieur wirken feine Rillen straffer; für ein Retro- oder Art-déco-Interieur kommen die breiteren Varianten besser zur Geltung.
Matt- und Satiniertes Glas
Mattglas ist Floatglas, das auf einer Seite sandgestrahlt oder chemisch geätzt wurde. Es verstreut Licht diffus und bietet Privatsphäre. Satiniertes Glas ist ähnlich, aber etwas transparenter und gleichmäßiger in der Oberfläche. Beide sind in gehärteter Ausführung für Türen erhältlich.
Praktische Entscheidungshilfe: Mattglas an der Außenseite der Tür zur öffentlichen Seite ausrichten — das ist sauberer, denn Fingerabdrücke auf der matten Seite lassen sich schwerer abwischen als auf der glatten Seite. Manche Glaslieferanten bieten Mattglas mit einer glatten Schutzschicht auf beiden Seiten an; das ist ideal für Türen mit häufigem Handkontakt.
Rauchglas (leicht grau oder braun getönt) absorbiert einen Teil des Lichts und erzeugt eine warme, gedämpfte Atmosphäre. Beliebt bei Glas-Esstischen und Couchtischen in industriellen oder warm-modernen Interieurs. Beachten Sie: Ein dunkel getönter Tisch lässt den Raum optisch kleiner wirken. Verwenden Sie ihn in Räumen mit viel Tageslicht oder als bewusste dunkle Akzentschicht.
Recyceltes und antikes Glas
Recyceltes Glas und antikes Glas haben eine unregelmäßige Oberfläche mit kleinen Blasen, Wellen und Unreinheiten — genau so sah Glas vor der modernen Floatmethode aus. Dieser Glastyp ist dekorativ und verleiht einen historischen oder handwerklichen Charakter. Man findet ihn in Schränken mit Bleiglas-Türen, Teelichthaltern, Vasen und Vintage-Fenstern.
Antikes Glas ist teurer als modernes Floatglas und in kleinen Abmessungen erhältlich. Es ist in der Regel nicht gehärtet — verwenden Sie es für dekorative Anwendungen, nicht für strukturelle.
Glas mit anderen Materialien kombinieren
Glas ist ein ausgezeichneter Materialpartner. Die Kombinationen, die im Interieur am stärksten wirken:
Glas ist kein einheitliches Material — jeder Typ hat ein eigenes Sicherheitsprofil, Lichtwirkung und Pflegebedarf. Für Innentüren und Tische ist ESG der Standard. Rillenglas verbindet Lichtdurchlass mit Privatsphäre. Verbundsicherheitsglas ist unverzichtbar über Kopf und in der Höhe. Wählen Sie den Glastyp zunächst nach der Anwendung — dann erst nach der Optik — denn Sicherheit und Funktion bestimmen die Möglichkeiten, Ästhetik füllt sie aus.
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Häufig gestellte Fragen
Häufig gestellte Fragen
- Was ist der Unterschied zwischen ESG und VSG?
- Einscheibensicherheitsglas (ESG) ist thermisch behandelt, sodass es vier- bis fünfmal fester ist als gewöhnliches Floatglas. Bei Bruch zerfällt es in kleine, stumpfe Stücke — sicherer als scharfe Splitter. Verbundsicherheitsglas (VSG) besteht aus zwei Glasscheiben mit einer Folie dazwischen. Bei Bruch hält diese Folie die Scherben an Ort und Stelle — das Glas bricht, zerfällt aber nicht. Für Überkopf-Anwendungen (Glasdach, Treppe) ist VSG vorgeschrieben; für Türen ist ESG ausreichend.
- Ist Rillenglas wieder modern?
- Ja, Rillenglas (auch Linienglas oder Fluteglas) ist voll im Trend. Einrichtungstrends von 2023–2026 kombinieren es mit Messingbeschlägen, Holzrahmen und retro-modernen Küchen. Es sorgt für Lichtdurchlass mit Privatsphäre — ideal für Innentüren, Schrankfronten und Badezimmerwände. Die heutigen Varianten sind straffer und feiner gerillt als die ursprünglichen Versionen aus den 1970er-Jahren.
- Welches Glas wähle ich für eine gläserne Innentür?
- Für eine Innentür ist ESG der Standard und in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben an Stellen, an denen Personen dagegen laufen oder fallen können. Mindestens 4 mm ESG für Standardtüren. Wenn Sie Privatsphäre wünschen — und das wünscht man sich bei einer Badezimmer- oder Schlafzimmertür — wählen Sie gehärtetes Rillenglas, mattes ESG oder ESG mit einem Sandstrahl-Datenschutzmuster.
- Wie halte ich Glas sauber ohne Streifen?
- Verwenden Sie warmes Wasser mit einem Tropfen Spülmittel und einem Mikrofasertuch. Direkt danach mit einem trockenen Mikrofasertuch oder einem Fensterwischer nachtrocknen — Feuchtigkeit, die auftrocknet, hinterlässt Kalkstreifen. Vermeiden Sie Zeitungspapier (funktioniert für gewöhnliches Floatglas, hinterlässt aber Tintenspuren auf Matt- oder ESG). Bei hartnäckigem Kalkbelag eine verdünnte Essiglosung verwenden (1 Teil Essig, 3 Teile Wasser), 5 Minuten einwirken lassen und dann abwischen.
- Kann man Glas im Interieur mit anderen Materialien kombinieren?
- Glas kombiniert sich stark mit Metall (Stahl, Messing, Mattschwarz) und Holz. Die Kombination Glas-Stahl ist industriell und modern; Glas-Messing ist wärmer und mehr Retro-Deco. Glas neben Beton oder Terrazzo wirkt kühn und zeitgemäß. Vermeiden Sie zu viel Glas neben Glas in verschiedenen Ausführungen — klares Floatglas, Mattglas und Rillenglas in einem Raum ist schnell zu viel. Wählen Sie einen Glastyp als Thema und führen Sie ihn konsequent durch.



